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|  das Sublime und das Profane  |

  Günter Christmann (Konzept, Playbacks, Cello, Posaune) 
  Elke Schipper (Stimme)
  Joachim Zoepf (Sopransaxophon, Bassklarinette)

 
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"Heulende Sirenen, kreischende Sägen, das Rattern der Eisenbahnwagons – die akustische Verdichtung unserer Lebenswelt durch die Machtergreifung der Maschinen und Motoren ließ im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts italienische und russische Futuristen die Energie dieser Klänge in ihre Symphonien collagieren. Erweitert um weniger sensationelle akustische Ereignisse in Alltag und Natur, war dieses Lärmen den Komponisten der Musique concrète seit den 40ger Jahren Fundus für ihre Radio-Stücke und wurde in der zeitgenössischen Musik Ausgangsmaterial elektronischer Klangerzeugung.

Die Musik dieses Abends stellt ein vergleichbares Aneignen unserer profanen akusttischen Umgebung vor. Allein, der Umgang damit ist anders und ungewöhnlich. Auch hier ist das rohe Betriebsgeräusch einer Maschine zu hören, wird die Montage von Alltagsgetöse in Playbacks zum Tableau für die Musiker. Doch – darüber hinaus- wird handwerkliches und maschinelles Lärmen zu einem Instrument, mit dem sich kontrolliert gestalten lässt.
Das Sublimieren all des Tönens um uns her, die Empfänglichkeit für die Farben und Dynamik der darin arbeitenden Klänge, für die Rhythmen ihres Laufs, das Entwickeln von Empathie für z.B. die röchelnde Klage einer Kaffeemaschine – dieses Verinnerlichen des Profanen als Stoff eigener Emotionen und Vorstellungen ereignet sich im Ohr des Musikers. In seiner Suche nach dem bislang "Unerhörten", das seinem inneren Gesang eine Stimme gibt, wird all dies zum Impuls, Anderes, Neues zu imaginieren und zu erspielen. Das Spezifische von " das Sublime und das Profane " kommt aus der musikalischen Haltung und Praxis der drei Spieler als Improvisationsmusiker. Ihre individuelle, tonale Grenzen überschreitende Instrumentalsielweise bindet – selbstverständlich - die Geräusche banalen Werkens und Wirkens in die eigene musikalische Substanz ein, zitiert diese nicht nur als bloßen Effekt.
Das wache Hören, Ordnen, Reagieren und Gestalten aus der Hingabe an das Jetzt und Hier ermöglicht in diesen Konstellationen die unmittelbare Kommunikation der Musiker mit Flaschen, Duschküpfen, Klebebändern, Staubsaugern und klapperndem Geschirr, ... . Eine musikalische Erfahrung, die viele der bislang in diesem Projekt eingebundenen Musikern zu einem offeneren Spiel führte.
Mag sein, eine Anregung, sich selbst wieder – ab und an – ohne Knopf im Ohr den poetischen Kräften auszusetzen, die um uns her aufzuspüren sind."        (Elke Schipper)